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Alles nur „Nullachtfünfzehn“, oder?

Heute geht es um die Nachbildung eines Maschinengewehr Spandau IMG 08/15.
Das Maschinengewehr MG 08/15 wurde auf Basis des von dem amerikanischen Erfinder Hiram S. Maxim entwickelten Maxim-Maschinengewehrs entworfen. Produziert vor und während des Ersten Weltkrieges erlebte es eine Reihe von Modifikationen und Weiterentwicklungen. Ursprünglich wurde das MG in der „Preußischen Gewehrfabrik Spandau“ hergestellt. Später kamen weitere Produktionsstätten wie z.B. M.A.N. oder Sauer&Sohn hinzu. Die Bezeichnung „08“ meint das Jahr der Einführung 1908 und der Zusatz, z. B. „/15“ gibt die Jahreszahl der Modellvariante an. Das Gewehr hatte ein Kaliber von 7,92 Mauser, eine Munitionszuführung über einen Leinengurt (250 bzw. 100 Schuss) und eine Kadenz von 400-450 Schuß/Minute. Als Rückstoßlader besaß es einen wassergekühlten Lauf, sowie ein Visier für den Schußbereich zwischen 400 bis 2000m. Nachteilig war das hohe Gewicht von 31 kg (Gewehr, Kühlwasser, Dreifuss). Speziell für Militärflugzeuge wurden zum starren Einbau die luftgekühlten Gewehre lMG 08 und lMG 08/15 entwickelt. Für die Bewaffnung des Flugzeugbeobachters schuf man als weitere Variante das luftgekühlte Parabellum MG 14.
Nach Flugzeuginstrumenten und Motorattrappen von Flugzeugen des 1. Weltkrieges landete ich fast zwangsläufig bei deren Bewaffnung. Als Vorbild dienten mir Maschinen wie die Fokker E I oder entsprechende Muster von Wettbewerbern. Ihnen allen gemeinsam ist das dort zum Einsatz kommende Spandau-Maschinengewehr. Für den Nachbau, insbesondere in kleineren Maßstäben, ist der geschlitzte Kühlwassermantel ein echte Herausforderung. Mein Vater berichtete mir über dessen frühere Bemühungen, durch Fräsen von Alu-Rohren zu solchen Teilen zu gelangen. Ein Unternehmen, das er nach vielen Versuchen und verpflasterten Fingern aufgegeben hatte. Inzwischen ist die Technik aber glücklicherweise weiter, denn es gibt heute den 3D-Druck!
Wieder einmal ging ich im Web auf die Suche nach zugehörigen Fotos und Bemaßungsangaben. Leider mußte ich viele Proportionen aus Bildern ableiten. Eine Vorgehensweise, von der ich mich eigentlich lösen wollte. Egal, nach einigen Stunden am PC sah das Ergebnis zumindest schon einmal auf dem Monitor recht gut aus.
  • Spandau 08/15 Bemaßungsskizze 3
  • Spandau 08/15 Bemaßungsskizze 2
  • Spandau 08/15 Bemaßungsskizze 1
Um die Schussrichtung des MGs parallel zur Visierlinie des Piloten auszurichten und das Gewicht von Waffe und Munition nah am Schwerpunkt zu konzentrieren, kam es bei den ersten Jagdflugzeugen darauf an, die Bewaffnung unmittelbar vor dem Cockpit zu platzieren. Da einmotorige Flugzeuge mit Zugpropeller die effektivste Bauform für Jagdflugzeuge waren, musste das Maschinengewehr den Propellerkreis durchschießen können, ohne dabei den laufenden Propeller zu beschädigen. Die gefährlichsten, zum Frontalangriff tauglichen Jagdflugzeuge mit starrem, vorwärts feuerndem MG waren 1915 die französischen Morane-Saulnier-Einsitzer. Dort war der Propeller mit Geschossabweisern aus Stahlblech gegen Treffer geschützt. Eine solche Lösung war deutscherseits aufgrund der verwendeten Stahlmantelgeschosse nicht möglich. Anthony Fokker und seinen Ingenieuren gelang es jedoch, eine Mechanik zu konstruieren, die das MG dann blockierte, sobald der Propeller direkt vor der Mündung stand. Dieses Getriebe verband über eine Nockenwelle den Abzug des MGs mit der rotierenden Motorachse und ermöglichte so das Feuern durch den Propellerkreis. Der damit zuerst ausgerüstete Fokker Eindecker E. I, ein verspannte Jagdeinsitzer mit Verwindungssteuerung, ging ab Sommer 1915 sukzessive den deutschen Feldfliegerabteilungen zu. Das Muster wurden über mehrere Typen weiterentwickelt und unter den Bezeichnungen Fokker E.I bis E.IV hauptsächlich bis Mitte 1916 eingesetzt.
Quelle: Wikipedia
Schnell waren sämtliche Komponenten des IMG 08/15 in PLA ausgedruckt, die Nachbildung kommt auf eine Länge von 300 mm. Einziges Teil, das nicht im 3D-Drucker entsteht, ist der Lauf. Dieser besteht aus einem 4mm Messingrohr. Darauf „fädeln“ sich quasi alle Bauteile des MGs auf, der Kühlmantel selber steckt auf einen Vorsprung des Kastens. Insgesamt eine stabile Sache, die gut zusammenhält. Mit wenig Sekundenkleber wurden noch rasch die beiden separat gedruckten Gurtzuführer, das Visier sowie der Schloßhebel fixiert, fertig!