ProWing 2020
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Keine Durchschnittsware – Pilotenfiguren nach Maß

Manche Dinge dauern doch irgendwie länger als man plant. Insbesondere wenn das Ergebnis richtig schön werden soll. Und dass dies nicht unbedingt mit überzogenem Perfektionismus zu tun haben muss, konnte ich am nachfolgenden Projekt erfahren. Kurz nachdem ich die Firma 3Dforyou gegründet und mit Pilotenbüsten nach Vorbild des Kunden eine gute Nachfrage erfahren hatte, kam mir der Gedanke, auch individuell gestaltete Pilotenfiguren als Bausatz anzubieten. Keine Konfektionsware, sondern maßgeschneidert.
Auch hier sollten 3D-Design bzw. 3D-Druck eindeutig ihre Vorteile ausspielen können: individuelle Maßstäbe sowie eine große Vielfalt im Design. Erste Hände, Schuhe und Köpfe entstanden am Computer nach bekannten anatomischen Proportionen und sahen ganz brauchbar aus. Nun benötigt eine Ganzkörperfigur aber zweifellos noch etwas mehr: den Korpus sowie die Extremitäten, sprich: Arme und Beine. Diese wollte ich mit Schablonen aus gängigen Hartschaumplatten grob ausschneiden, anschließend mit reichlich Schleifarbeit auf die passenden Konturen bringen. Leider hatte der so entstandene, erste Prototyp mehr Ähnlichkeit mit Petzi dem Bären, denn mit einem menschlichen Körper. Big Jim Konkurrenz zu machen, rückte erst einmal in die Ferne.
Nachgelesen bei Leonardo (der mit der Mona Lisa) sowie das Studium einiger Lehrbücher für Kunstmaler halfen mir dabei langsam besser zu werden. Die Gestalt des Rumpfs und der Gliedmaßen entwickelten sich in die richtige Richtung. Nachdem ich zwischenzeitlich einen umfangreichen Satz an Schablonen auch für die Schleiferei entworfen hatte, kam die nächste Herausforderung. Wie befestigt man Arme und Beine am Rumpf, so dass eine ausreichende Beweglichkeit gewährleistet ist? Von der Natur abgeschaut, erprobte ich dazu einige Ideen, meine 3D-Drucker bekamen reichlich Arbeit. Aber am Ende ein Durchbruch: Mein neuer Prototyp besaß nun (fast) die vorbildgetreue Beweglichkeit des menschlichen Körpers!
Mit diesem Ergebnis war ich recht zufrieden, die Pilotenfigur wurde bemalt und eingekleidet und auf der ProWing International 2019 erstmals gezeigt. Das Feedback der Besucher fiel positiv aus. Gelobt wurden – wie erwartet – die Vielfalt beim Design und den Maßstäben. Gerne wollte ich meinen Kunden einen Bausatz anbieten, der preislich attraktiv ist und Selbermachern Raum für eigene Aktivitäten bietet. Hier zeigte sich aber deutlich der Nachteil des gesamten Konzeptes: Einen anatomisch korrekten Körper selber aus Hartschaum herzustellen, braucht viel Übung und die passenden Schablonen! Und diese Schablonen müssen für jeden Piloten neu erstellt werden, um den vom Kunden gewünschten Körperbau zu ermöglichen – ein unglaublicher Aufwand für nur eine Figur! Alternativ dazu blieben nur Figuren in Standardgrößen und mit einem ebenfalls standardisierten Körperbau. Damit würde man aber zwangsläufig bei „Massenkonfektion“ landen – was ich aber nicht wollte.
Zu diesem Zeitpunkt war das Projekt wieder auf den „Petzi-Status“ zurückgefallen, auch wenn meine Pilotenfigur in Sachen Vorbildtreue eindeutig vor „Big Jim“ lag. Mit anderen Worten: Hartschaum war eine Sackgasse. Also machte ich, was man in solchen Fällen besser tut: nichts – man beschäftigt sich mal wieder mit anderen Dingen, um neue Ideen zu bekommen.
Zwischenzeitlich hatten sich meine Fähigkeiten zur Modellierung von Körpern am PC auch deutlich erweitert. Insofern kam mir der Gedanke, nicht nur Kopf, Hände, Schuhe und Gelenke im 3D-Druck zu erstellen. Nein, auch der Korpus, Arme und Beine sollten künftig so produziert werden. Der Schritt dorthin war dann glücklicherweise nicht mehr ganz so nervenzehrend wie beim „Schaum-Mann“. Auch die bisherigen Vorarbeiten zahlten sich nun aus. Meine erste, vollständig im 3D-Druck produzierte Pilotenfigur sah bereits richtig gut aus. Wie ich mir diese näher betrachtete, hatte ich eine weitere Idee: Könnte man einen Baukasten entwickeln, bei dem sich der Kunde nicht nur Kopf, Hände, Körpergestalt sondern auch Teilfiguren davon individuell zusammenstellen kann?
Auf diese letzte, doch recht naheliegende Idee brachte mich ein Kunde, der für seinen Segelflieger einen Piloten als Halbfigur suchte. Das Cockpit des Modells hatte nur Platz für eine solche Figur, d.h. der Pilot musste quasi am Nabel aufhören. Ursprünglich wollte er eine Ganzkörperfigur, die er bereits besaß, zersägen. Aber was fängt man später mir der unteren Hälfte dieser Figur an? Diese Anregung nahm ich zum Anlass, um auch den Korpus meines Baukastens modular aufzubauen. Nach weiterer Detailarbeit war ich tatsächlich nach einem Jahr intensiver Entwicklung am Ziel angekommen: Ein Baukasten für individuelle, maßgeschneiderte Pilotenfiguren aus dem 3D-Drucker.