Cockpitaustattung
Juli 22, 2018
Siemens & Halske Sh 14
Januar 5, 2019

Bitte einsteigen!

3D-Scan für die Herstellung von Pilotenbüsten nach dem eigenen Vorbild.
Vor einiger Zeit erreichte mich eine E-Mail, ob ich einen menschlichen Kopf auf meinem 3D-Drucker erstellen könnte. Nein, nicht Dr. Frankenstein war der Absender, sondern ein sehr ambitionierter Modellflieger. Er hatte von seinem Kopf einen dreidimensionalen Scan anfertigen lassen. Nicht ganz billig, aber sehr detailliert. Im Maßstab 1:3 bzw. 1:4 sollten die gedruckten Köpfe in Form von kompletten Pilotenfiguren in seine Segelflugzeuge „einsteigen“ . Die Körper der Figuren hatte er bereits liebevoll gebastelt, alleine die Köpfe fehlten noch.
Also ließ ich mir die zugehörige Datei schicken. Erste Probedrucke im Maßstab 1:10 sahen bereits vielversprechend aus. Durch eine Reihe von Experimenten hatte ich zudem einen Weg gefunden, um die bei dem FDM-Druckverfahren typischen Stufen verschwinden zu lassen. So konnte es an die großen Brüder gehen. Ich muss zugeben, dass ich anfänglich etwas Bedenken hatte. Ausmaß und Druckzeit lagen in einer Größenordnung, die ich meinem Drucker bislang noch nicht abgefordert hatte. Aber bereits der erste Versuch war ein voller Erfolg. Ich hielt den Kopf des mir noch nicht persönlich bekannten Herrn in meinen Händen!
Auch der zweite Kopf - Maßstab 1:3 - entsprach den Erwartungen. Die abschließende Oberflächenbehandlung befreite die beiden Zwillinge von ihrer etwas kantigen Haut. Nachdem ich den Besitzer des Kopfes zwischenzeitlich in Natura kennengelernt und er mit großer Freude seine Abbilder adoptiert hatte, kam in mir ein naheliegender Gedanke auf: Jetzt will ich meine eigene Pilotenfigur! Wäre doch cool, wenn ich – wenn auch in kleinerem Maßstab – mal selber mitfliegen könnte. Leider stand mir aber kein 3D-Scanner zur Verfügung, also durchsuchte ich das Web nach entsprechenden Möglichkeiten.
Ich lernte dabei, dass einige Firmen für Privatleute 3D-Scans anbieten. Auch aus Poträtbildern können die für einen Druck notwendigen Dateien erzeugen werden. Dieses Verfahren setzt aber ein sehr exaktes Fotografieren und sehr viele Bilder voraus. Also insgesamt sehr aufwendig! Je mehr ich mich mit der Sache beschäftigte, desto mehr reifte der Entschluss, mich selber mit der dazu notwendigen Technik auszurüsten. Meine ersten Versuche startete ich mit einer Videospielkonsole (Kinect), die man in ebay für ca. 30 EUR gebraucht kaufen kann. Die zum Scannen notwendige Software gibt es kostenlos und sie funktionierte auch sofort. Ziemlich sofort war ich auch von dem Ergebnis enttäuscht – der Kopf meines „Opfers“ ähnelte eher einer Kartoffel, denn dem Vorbild.
Meine weitere Suche im Web zeigte mir, dass es ein hohes Budget erfordert, um an dieser Stelle zu professionellen Ergebnissen zu kommen. Ich wollte daher fast schon aufgeben, da stieß ich auf einen Handscanner für einige Hundert EUR. Die Kommentare der Käufer waren sehr gemischt: von „absolut unbrauchbar“ bis hin zu „tolles Preis/Leistungsverhältnis“. Lange überlegte ich hin und her. Letztlich entschloss ich mich, den Kaufpreis zu investieren. Na ja, bei Nichtgefallen kann man ja das Gerät zurückschicken. Der Scanner war dann auch ruckzuck da, die zugehörige Software ohne Probleme installiert. Da ich meine Workstation benutzen wollte, störte das recht kurze Verbindungskabel aber ziemlich. Dennoch war ich von den ersten Ergebnissen begeistert: Die Kartoffel hatte sich wie durch Zauberhand zu einem menschlichen Antlitz verwandelt! Zwischenzeitlich habe ich auch noch eine gute Lösung für das zu kurze Kabel gefunden. Und so wurden alle gescannt, die bei „drei“ nicht auf den Bäumen waren. Auch meinem Drucker gönnte ich in dieser Zeit kaum einem Moment der Ruhe. Es entstanden ganze Serien von Köpfen - der eine oder andere hat auch inzwischen in einem Flugzeug-Cockpit Platz genommen!
  • 2018-07-24_3D ScanBIld - 1
  • 2018-07-24_3D ScanBIld - 2
  • 3D-Scan Bild 2
  • 3D-Scan BIld