Pilotenfiguren
April 18, 2020

Hör mal, was da knattert – AaR für Spandau-MG, Teil 1

„AaR“ – was heißt das nun schon wieder? Ganz einfach: Animatronic aus Resten. „Reste“ kennt jeder Modellbauer. Gemeint sind die Inhalte der schier unzähligen Bastelkisten, die sich über eine Werkstatt verteilen und genau die Schätze beheimaten, die man nicht weggeworfen hat, weil man sie irgendwann sicher mal brauchen kann.
Was bedeutet aber „Animatronic“? Bei Wikipedia findet man dazu: „Als Animatronic werden mechanisch, pneumatisch und elektronisch gesteuerte Figuren bezeichnet, die in Vergnügungsparks, auf Jahrmärkten, vor großen Kaufhäusern und in der Filmindustrie für Unterhaltung und Belustigung sorgen sollen“. Zugegeben, auf Vergnügungsparks oder Jahrmärkten werdet ihr ein Flugmodell wahrscheinlich weniger zeigen wollen. Aber um die „Unterhaltung“ der Sinne geht es dennoch irgendwie, oder?
Nachdem ich meine inzwischen schon recht zahlreichen Projekte nach einem passenden Kandidaten durchstöbert hatte, wählte ich das MG 08/15 als Plattform aus. Dessen Nachbildung kennt ihr vermutlich schon von einem meiner früheren Blogbeiträge. Grund für meine Wahl sind die Vielzahl von Möglichkeiten, die ein MG so bietet: Abschussgeräusche, Mündungsfeuer, bewegliche Teile am MG und Vibration beim Abfeuern. Kurzum, ein großes Feld für Experimente.
Wichtig war mir dabei, dass die Komponenten, die zur Animation benötigt wird, kostengünstig und einfach zu beschaffen sind und die gewünschten Effekte im Flugmodell auch einwandfrei für den Betrachter rüberkommen. Schließlich hat nicht jeder Modellbauer die Möglichkeiten eines Stan Winston, der „Alien“ und dem „Terminator“ Leben einhauchte. Mehr über diesen bemerkenswerten Experten für Spezialeffekte und viele erstklassige Tutorials findet ihr unter: www.stanwinstonschool.com.
Begonnen habe ich mit dem Effekt, den jeder bei einem MG typischerweise zuerst erwartet: „Tack-tack-tack“ - dem Schussgeräusch. Dies muss bei Überflügen gut zu hören und natürlich auf Kommando der Fernsteuerung erzeugbar sein. Ja, es gibt dafür einige Hersteller, die bereits fertige Geräuschmodule anbieten – aber Selberbauen macht uns doch viel mehr Spaß, oder?

Folgende Möglichkeiten zur Geräuscherzeugung zog ich in Betracht: Bluetooth-Lautsprecher, MP3-Player - mit nachgeschaltetem bzw. bereits integriertem Verstärker - oder ein Arduinoboard (www.arduino.cc). Diesen Computer hatte ich in der Vergangenheit schon oft eingesetzt und ihn daher für dieses Projekt zuerst einmal favorisiert. Der kleine Bursche kann zudem noch viel mehr, als für „Tack-tack-tack“ eigentlich benötigt wird. Quasi genug „Reserve“ für weitere Animatronic-Projekte und eine direkte Anbindung an den Empfänger der Fernbedienung. Er erfüllt auch die Anforderung „kostengünstig und leicht verfügbar“ zu sein, setzt aber Programmier- und Elektronikkenntnisse voraus. Das genau war auch die Gründe, warum ich mich letztlich für die Variante „MP3-Player“ entschied. Schließlich will ich euch zeigen, wie man mit einfachen Mitteln und ohne Spezialkenntnisse ein tolles Ergebnis erzielen kann.
Ein Griff in eine meiner „Restekisten“ lieferte den dazu passenden Schallspeicher: Einen alten MP3-Player mit großem Akku und Lautsprecher. Das Abschussgeräusch des MGs beschaffte ich mir rasch über einen download (z. B. www.salamisound.de) aus dem Internet. Selber aufnehmen wäre sicher auch eine Alternative, ich hatte aber gerade kein echtes MG zur Hand. Anschließend editierte ich die Sounddatei noch etwas am PC und speicherte diese auf einer gewöhnlichen SD-Karte, die mein MP3-Player problemlos schlucken würde.
In meinem Fall war im Player praktischerweise noch ein Nachverstärker enthalten, der ausreichend Krach macht. Will man einen Player mit nur einem Kopfhörerausgang verwenden, braucht es einen nachgeschalteten Verstärker, der über die Klinke des Players sein Eingangssignal bekommt.


Vom Gehäuse befreit, zeigte sich im Inneren meines MP3-Players, wie man kleinste Technik groß aufblasen kann, was mich natürlich bezüglich des künftigen Verwendungszwecks an dieser Stelle erfreute. Verwendet habe ich nach dem Schlachtfest nur die Platine, den Akku sowie den Lautsprecher.
Die Wiedergabe der Sounddatei startet – eingeschaltetes Gerät natürlich vorausgesetzt – ein winziger Taster. Dieser hat auf der Platine vier Lötkontakte, zwei davon werden mit je einem Kabel herausgeführt und für erste Versuche mit einem einfachen Taster verbunden. Im Flugmodell wird dieser Taster später durch einen elektronischen Schalter ersetzt, der über die Fernsteuerung ein- und ausgeschaltet werden kann. Das Anbringen der beiden Leitungen ist im Projekt wirklich die einzig anspruchsvolle Arbeit, ein kleiner Elektronik-Lötkolben mit feiner Spitze ist dazu hilfreich.
Bereits der erste Versuch lieferte ein tolles Ergebnis. „Tack-tack-tack“ klang es auf Knopfdruck aus dem Lautsprecher. Das Schallmessgerät zeigte trotz einigen Abstandes beachtliche 79 Dezibel, und die Lautstärkereglung stand bei gerade einmal 50 Prozent. Ähnliche Ergebnisse wird man sicher auch mit einem Bluetooth-Lautsprecher erreichen, die bekanntermaßen für kleines Geld „richtig Krach“ machen. Wer im Sommer ins öffentliche Schwimmbad geht, versteht, was ich meine.
Mir aber fehlte bei meinem Lautsprecher nur noch etwas an „Bass“. Also suchte ich mir ein zu dem Außendurchmesser passendes Papprohr. Rasch noch eine Halterung für den Lautsprecher sowie das Rohr selber entworfen und gedruckt – und den Lautsprecher hineingeschoben. Nach einigem Experimentieren hatte ich die optimale Rohrlänge und den passenden Ort gefunden. Jetzt hörte sich das Geräusch schon so täuschend echt an, dass ich meine Versuche nur noch bei geschlossenem Fenster machte. Denn wer will schon gerne ein Sonderkommando der Polizei vor der Tür haben? Der Lautsprecher findet später im Rumpf des Flugmodells zusammen mit der Platine einen passenden Ort, groß und schwer ist die Einheit ja nicht. Dann steht nichts mehr im Wege, im Tiefflug über den Platz zu sausen und die MGs abzufeuern!
Ich hoffe, dass ich euch mit der ersten Folge auf den Geschmack gebracht habe, mal selber die Bastelkisten zu durchstöbern und „AaR“ auszuprobieren. In den nächsten Beiträgen meiner Blogreihe könnte ihr verfolgen, wie es mit dem animierten MG weitergeht.
Bezugsquellen, wenn „Restekiste“ nichts hergibt:

RC-Schalter: https://www.ebay.de/str/Rushzone-Elektronik?_trksid=p2047675.l2563
MP3-Player: https://www.pearl.de/a-ZX1654-1262.shtml