Mercedes DIII
Mai 20, 2019

Das i-Tüpfelchen eines Scale-Nachbaus: Vorbildgetreue Cockpitinstrumente

Bereits zu Beginn meiner Beschäftigung mit Nachbildungen von Flugzeugteilen aus der Ära des Ersten Weltkrieges hatte ich mich versuchsweise Cockpitinstrumenten zugewandt (s. mein Blogeintrag „Cockpitausstattung“).
Die Ausrüstung der damaligen Flugzeuge mit solchen Anzeigegeräten war – im Vergleich zu den späteren Jahrzehnten – äußerst spärlich und somit überschaubar. Hinzu kommt, dass es zu Beginn des Krieges wenig Standardisierung gab. Instrumente – insofern überhaupt vorhanden – wurden an den Stellen im Cockpit angebracht, die man für zweckmäßig erachtete oder, wie im Fall von Fahrtmesser und Kompass, technisch bedingte Einschränkungen bezüglich des Einbauortes hatten.
Dies bedeutete aber, dass sich Piloten bei einem Wechsel auf andere Flugzeugtypen immer wieder bei der Instrumentierung umstellen mussten. Eine standardisierte Anordnung setzte erst nach 1918 ein, was wahrscheinlich der immer aufwendigeren Technik der Fluggeräte geschuldet war. Bereits vorher waren aber genaue Vorschriften und Standards (Normalien) durch die Inspektion der Fliegertruppen (IdFlieg) erlassen worden, um die unterschiedlichen Instrumentenarten zu vereinheitlichen. Deutsche Flugzeuge hatten schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges Instrumente an Bord, die den Betrieb des Motors überwachten. So findet man regelmäßig neben einer Tankuhr - zur Anzeige des Benzinstandes - Instrumente wie Drehzahlmesser, Manometer und Thermometer, der Auskunft über die Kühlwassertemperatur gab.
Paul Willmann aus Berlin beispielsweise produzierte unter der Bezeichnung „Maximall“ Benzinuhren in unterschiedlichster Ausführung, die Messung erfolgte über Fadenschwimmer. „Absolut“ war ein Wettbewerber aus Wien, der ebenfalls solche Instrumente fertigte. Da das Benzin häufig aus einem Haupt- zu einem Falltank oder dem Vergaser mittels Überdruck gefördert wurde, fanden sich im Cockpit entsprechende Anzeigegeräte und Armaturen. Um diese Ventile herum gaben kreisförmige Schilder Auskunft, welche Armaturstellung gerade aktiv war. Lieferte der Auspuff oder ein am Motor angeflanschter Kompressor im Betrieb die benötigte Druckluft, so war beim Startvorgang eine vom Piloten zu betätigende Luftpumpe ein weiterer Teil der Ausstattung.
Soweit der geschichtliche Rückblick, jetzt zum aktuellen Nachbauprojekt. Anlass dazu war, dass ein Modellbauer für den vorbildgetreuen Ausbau seiner Fokker E III den zugehörigen Instrumentensatz suchte. Solche Ausstattungen sind nicht am Markt erhältlich, der eigene Nachbau ist schwierig. In alten Handbüchern – z. B. Klasings Flugtechnische Sammlung – findet man aber ausreichend Angaben, auf die man 3D-Konstruktionen aufsetzen kann. Großes Glück hatte ich bei dem aktuellen Projekt, dass ich auf der bekannten Flugzeugteile-Sammlerbörse in Speyer Originalteile fotografieren und vermessen durfte. Bereits in der Vergangenheit konnte ich mir zudem in Museen Bilder und Bemaßungen einiger Originalinstrumente beschaffen.
So waren für meinen Kunden die einzelnen Bauteile rasch zusammengestellt: Zündschalter, Gashebel, Tankuhr, Drehzahlmesser, Höhenmesser (mit Federaufhängung), Luftpumpe, Druckmesser, zwei Armaturen mit Kennzeichnungen, sowie ein Pulsometer. Dieses Bauteil war im Original mit einem Absperrhahn ausgestattet und zusammen mit den Armaturen und dem Druckmesser an der rechten Bordwandseite auf einem kleinen Panel verbaut. Seine Aufgabe bestand darin, die einwandfreie Funktion der Ölpumpe des Umlaufmotors zu überwachen: Das Schauglas zeigte das störungsfreie Fördern des Öls durch die Pumpe direkt dem Piloten in Form einer pulsierenden Ölsäule an, daher „Pulsometer“.
Nachdem der Umfang der Ausstattung festgelegt war, suchte ich entsprechende Vorbilder aus und begann nach Rücksprache mit dem Nachbau am Computer. Die 1:1 skalierten Modelle wurden anschließend probeweise im Wunschmaßstab gedruckt, das Zusammenspiel der Komponenten einer Baugruppe getestet und an der einen und anderen Stelle noch angepasst. Nach einigen Stunden war ich dann mit dem Ergebnis zufrieden, der 3D-Drucker begann die finalen Teile zu erstellen. Wieder einmal war ich von den Möglichkeiten der Detaillierung, die man auch beim FDM-Verfahren immer noch ausdehnen kann, begeistert.
Nun galt es noch die passenden Instrumentengläser zu erstellen, was meine Fräsmaschine für mich übernahm. Die nächsten beiden Schritte, Grundierung und Lackierung, erforderten viel Geduld und auch Experimentierfreude, um die unterschiedlichen Materialien naturgetreu wiederzugeben. Alterungsspuren wie Rost, Patina, Dellen und Schrammen durften natürlich nicht fehlen. Eine besondere Herausforderung hatte ich mir bis zum Schluss aufgehoben: den Glasaufsatz des Pulsometers, natürlich zur Hälfte wie im Original mit Öl gefüllt. Hier kam mir mein Vater zu Hilfe, der dieses Teil in liebevoller Kleinarbeit und nach vielen Versuchen hergestellt hat. Ergänzt um maßstabsgerechte Kupferleitungen war der Cockpit-Ausbausatz der Fokker E III nun fertiggestellt. Mein Auftraggeber ließ es sich nicht nehmen und kam zur Abholung persönlich vorbei – ich denke, dass er mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist und der Ausbausatz seine Fokker E III noch vorbildgetreuer machen wird. Mir hat dieses Projekt sehr viel Freude gemacht, sicher nicht mein letzter Nachbau von Flugzeuginstrumenten!