Spandau IMG 08/15
Juli 22, 2018
Pilotenbüsten
Juli 23, 2018

Alles unter Kontrolle!

In diesem Projekt berichte ich über die Ausstattung von historischen Flugzeugcockpits.
In der Anfangszeit der Fliegerei fanden die meisten Flüge nur bei schönem Wetter mit leichtem Wind statt. Zusammen mit einer ständigen Bodensicht erlaubte dies dem Piloten, sein Flugapparat „nach Gefühl“ zu kontrollieren. Instrumente galten eher als überflüssiger Ballast. Waren sie dennoch vorhanden, war eine zentrale Anordnung die Ausnahme. Verbindliche Standards oder Vorschriften zu deren Einbau gab es damals noch nicht. So suchte der Konstrukteur aus praktischen Erwägungen heraus nach bereits existierenden Befestigungspunkten, wie z. B. Streben, Spanndrähten oder Verkleidungen. Dies führte jedoch dazu, dass der Pilot den Kopf drehen oder seine Körperhaltung ständig verändern mußte, um ein Instrument abzulesen. Ein weiterer Nachteil war, dass bei einem Wechsel auf einen anderen Flugzeugtyp die Instrumente nicht an den gleichen Stellen zu finden waren. Ab 1912 kamen dann die ersten Instrumentenbretter auf, die Anzeigen wurden immer mehr standardisiert. Aus der industriellen Technik übernahm man die heute bekannte Gestaltung: das runde Instrument mit einer linearer Skala.
Durch meine früheren Arbeiten an Motorattrappen hatte ich einen Eindruck davon erhalten, was mit FDM-Druck grundsätzlich alles machbar ist. Seitens der reinen Konstruktion am PC sind die Details eines Vorbildes fast ohne Einschränkung realisierbar. Hat man alle notwendigen Maße vorliegen, kann man vorbildgetreu gestalten. Im anschließenden 3D-Druck lassen sich diese Details aber aufgrund der technisch bedingten Schichtstärken nicht immer umsetzen. Daher wollte ich mit meinem nächsten Projekt vom bisherigen Maßstab 1:10 abweichen und wählte den Quarter-Scale, d.h. 1:4.
Für meine Cockpit-Ausstattung baute ich zuerst einmal einen einfachen Demonstrator aus Sperrholz. Im Design ist dieser einem Flugzeug der Zwanzigerjahre nachempfunden. Nun ging es an die Ausstattung selber. Begonnen habe ich mit einem Steuerrad, mit dem kombiniert über Seilzüge und Umlenkrollen Quer- bzw. Höhenruder bewegt werden können. Steuersäule und das Steuerrad sind in Anlehnung an Abbildungen, die ich dem Buch „COCKPIT Profile Nr.1“ von Peter W. Cohausz entnommen habe, entstanden. Die Publikation kann man antiquarisch in ebay für ca. 12 EUR kaufen. Ebenfalls fand ich darin wertvolle Anregungen für Instrumente und weitere Einbauten im Führerstand. In deutschen Einsitzern dieser Epoche gehörten beispielsweise ein BOSCH-Magnetanlasser und der zugehörige Zündschalter („Kontakt?“) zur Standardausrüstung. Grund genug, diese nachzubilden! Einige einfache Instrumente und Ventile waren die nächsten Kandidaten. Begeistert hat mich insgesamt, dass man in diesem Maßstab recht gut sogar kleine Details wie Muttern oder Gravuren („BOSCH“) nachbilden kann. Experimentiert habe ich auch bei der Bemalung, um ein möglichst vorbildgetreues Ergebnis zu erzielen. Bislang arbeite ich beim Design ausschließlich auf Basis von Fotografien und von mir geschätzten Maßen. Daher sind meine Nachbildungen bislang nur vorbildähnlich, also entsprechen noch nicht exakt dem Vorbild. Zukünftig will ich versuchen, an dieser Stelle weiterzukommen. Denn nur so geht es in die Meisterklasse und dort will ich schließlich hin!
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