Einzylinder-, Boxermotoren
Juli 8, 2018
Spandau IMG 08/15
Juli 22, 2018

Wie alles angefangen hat

Mit einem 3D-Drucker und entsprechender Konstruktionssoftware ausgestattet, startete ich 2018 meine ersten Versuche, historische Flugmotoren nachzubilden.
Flugmodellbauer sind immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Vorbildern für neue Bauprojekte. Insbesondere seltene Muster von manntragenden Maschinen reizen zum Nachbau. Seitdem Lipoakkus und Brushless-Motoren im RC-Modellbau Einzug gehalten haben, sind auch mehrmotorige Modelle oder Modelle mit großen Spannweiten machbar geworden. Das i-Tüpfelchen eines solchen Nachbaus sind und bleiben aber die Details. Hierzu rechnen der vorbildgetreue Ausbau des Cockpits, Nieten, Wartungsklappen und Griffe an Rümpfen oder Tragflächen. Königsklasse bleiben aber die naturgetreuen Abbilder der Flugmotoren, wie z.B. Stern- und Reihenmotoren. Auf Ausstellungen und Flugtagen findet man immer wieder echte Meisterwerke, die in vielen Baustunden aus allerlei Zutaten entstanden sind. Bis ins Detail nachempfunden ziehen diese Unikate den Betrachter in ihren Bann. Dem Erbauer sind Anerkennung und Aufmerksamkeit sicher. Aber solche Abbilder echter Flugmotoren bereiten erheblichen Aufwand bei der Herstellung, Auch die Recherche in Museen oder Archiven verschlingt viele Stunden. Weiterhin braucht man ein besonderes handwerkliches Geschick, eine entsprechende Ausrüstung und ein gutes Auge für die richtigen Proportionen. Also eher ein Fall für ausgesprochene Experten und Könner. Kein Wunder also, dass man auf dem Flugplatz in der Regel eher einfache und weniger genaue Nachbildungen findet.
Um herauszufinden, was mein 3D-Drucker so leisten kann, suchte ich nach einem ersten Einsatzgebiet. Es sollte etwas Ausgefallenes sein. Aber auch etwas, bei dem ich meine Konstruktionsfähigkeiten am PC weiter ausbauen konnte. Da kam mir der Wunsch meines Vaters gerade recht: Als RC-Flugmodellbauer, der vorbildähnliche Kofferraum-Modelle mag, war er auf der Suche nach einer Motorattrappe. Vorbilder: Motoren aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Nein, es sollte kein Stern- oder Umlaufmotor werden, sondern ein Reihenmotor. Idealerweise im Maßstab 1:10 mit möglichst vielen Details!
Also suchte ich im Web nach entsprechenden Einträgen und stieß auf zwei mögliche Vorbilder: den ARGUS Typ IV sowie den MERCEDES DIIIa. Beide Aggregate passten zu seinen Vorgaben, sind mit Vergaser- und Auspuffleitungen recht schön anzusehen und detailreich. Zu beiden Motoren existierten zudem reichlich Bildmaterial und die für eine Nachbildung notwendigen Grundbemaßungen. Auch ein Blick in das Buch „Die deutsche Luftfahrt: Flugmotoren und Strahltriebwerke“ hat mir beim Design sehr weitergeholfen.
  • Mercedes Seite
  • Mercedes Oben
  • Argus Seite
  • Argus Oben
  • Argus Perspektive
1908 begannen die Argus Motorenwerke in Berlin mit der Entwicklung von Flugmotoren. Es handelte sich um wassergekühlte Viertaktmotoren mit stehenden Zylindern, die Ventile im Zylinderkopf hängend eingebaut hatten. Dadurch konnte erstmals in Deutschland ein Flugmotor mit einer Leistung von 100 PS verwirklicht werden. Im Vergleich mit den luftgekühlten Umlaufmotoren aus Frankreich war der Motor mit 170 kg verhältnismäßig schwer. Der Betriebsstoffverbrauch lag jedoch bedeutend niedriger als der von Umlaufmotoren. Dies kam den für militärische Aufgaben geforderten mehrstündigen Flugzeiten sehr entgegen und machte den Nachteil des hohen Motorengewichtes wieder wett.
Die Daimler-Motoren-Gesellschaft produzierte mit dem MERCEDES DIII einen verlässlichen Sechszylinder-Reihenmotor mit einer Dauerleistung von 160 PS. Ab 1915 wurde das wassergekühlte Aggregat in verschiedenen Mustern der Fliegertruppe des Deutschen Heeres verwendet. 1916 erfolgte, bedingt durch die Erfordernisse der Front, mit dem Typ DIIIa eine Überarbeitung des Designs. Dieser Motor wurde mit 12.000 bis 1918 ausgelieferten Exemplaren der meistgebaute deutsche Flugzeugmotor des Ersten Weltkrieges.
Trotz einiger Erfahrung war diese Konstruktion beider Motoren für mich absolutes Neuland. Und weit zeitaufwändiger, als ich es mir ursprünglich gedacht hatte. Immer wieder druckte ich einen neuen Entwurf aus, der dann dem kritischen Auge meines Vaters ausgesetzt wurde. Leider fand er nach anfänglicher positiver Resonanz doch das eine oder andere Detail, das noch nicht so recht passte. Also wieder an den PC und das Design geändert! Am Ende vieler Versuche aber ein Ergebnis, das ihn zufriedenstellte. Was für ein Erfolgserlebnis auf dem Weg zu einem echten Hingucker. Und nicht ohne einen gewissen Stolz erinnerte ich ihn an die Vorzüge meiner Nachbildung. Skalierbar und wie „Kräppel“ in Serie produzierbar! So denkt er jetzt über ein mehrmotoriges Modell nach, denn die Arbeit macht ja der Drucker. Sicher gibt es bis in die Meisterklasse für mich noch Luft nach oben, aber der Anfang ist gemacht. Den beiden ersten Reihenmotoren werden in der nächsten Zukunft sicher noch weitere Nachbildungen folgen. Übung macht letztlich den Meister!